Donnerstag, Januar 20, 2005

Warten auf Köhler

Ich sitze hier, schaue aus dem Fenster und blicke auf die Uht. In ungefähr 30 Minuten beginnt im Berliner Reichstagsgebäude die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Tsunamikatastrophe im Indischen Ozean. Der Präsident wird eine Rede halten und ich bin mal gespannt, wie er es machen wird. Wird es ihm gelingen dien Hinweis auf das Leid der Opfer und mit unserer eigenen Lebenswelt sinnvoll zu verknüpfen? Hier ein Vorschlag für eine Rede:

Herr Bundestagspräsident,
Herr Bundeskanzler,
Mitglieder des Bundesethikrates,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Asiaten,

Die Naturkatastrophe im Indischen Ozean ist eine wirklich globale Katastrophe gewesen, sie ist Mahnung und Lehre zugleich und steht symbolisch für die Lage der Menschheit am Beginn des 21 Jahrhunderts.

Das Schicksal der Ferienparadiese erfüllt uns - auch meine Frau und mich - mit Schrecken. Wo gestern noch Strandbars standen, sind heute Wüsten, die an brandenburgische Braunkohleabbaustätten erinnern.

Vor allem die Kinder müssen jetzt unser ganzes Mitgefühl haben. Konnten sie bisher durch körperliche Arbeit, das Tragen ein Koffers und körpernahe Dienstleistungen zum Familieneinkommen beitragen, so sind jetzt oft nicht nur die Kunden, sondern auch die Familien verschwunden. Deswegen müssen jetzt Schulen gebaut werden. Mit seinem dreigliedrigen Schulsystem, hat Deutschland ein exportfähiges Modell im Angebot, das den traditionellen Gesellschaftshierarchien in Asien entspricht. Dies können und wollen wir anbieten.

Meine Damen und Herren,

Wenn ich in der hundertsten Wiederholung die Bilder der am Strand stehenden Menschen betrachte, welche die Welle auf sich zukommen sehen, dann wird mir wieder klar: Stehen bleiben ist keine Option.

Auch nicht für unser Land. Diejenigen die gerannt sind, die höher wollten und kamen, haben überlebt, die anderen wurden von einer unglaublichen Macht weggewischt. Aber Deutschland ist auf dem richtigen Weg. Wenn die Reformpolitik konsequent fortgeführt wird, dann werden wir die sichere Palmspitze erreichen.

Deutschland muß ein Tsunami der Ideen werden.

Ich danke Ihnen."

Mit freundlichen Grüßen aus der Tui-Stadt.

Dienstag, Januar 18, 2005

Christian Wulff wird nicht Bundeskanzler

Ich frage mich seit Tagen, was den Ministerpräsidenten dazu geritten hat, eine Kampagne gegen die Zahlungen von Volkswagen an Abgeordnete des niedersächsichen Landtags zu starten. Gut, zunächst einmal traf es keinen falschen: Ingolf Viereck ist der Lupo der SPD Fraktion, der Drei Liter Abgeordnete der keiner wegweisenden an ihm vorbei getroffenen Entscheidung je im Weg gestanden hat. Wenn man sich die Kette seiner politischen Nicht-Erfolge so anschaut, so meint man er habe tatsächlich eher in der lokalen Sportförderung VWs gearbeitet. In beiden Tätigkeitsfeldern war er wohl mittendrin und doch nur dabei.

Dennoch hat Wulff ein wesentliches Naturgesetz niedersächsischer Politik nicht beachtet: Finger weg von Volkswagen Skandalen! Seit der Gründung des Bundeslandes ist das KdF Unternehmen eine Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln. Nun gut, vielleicht ist auch Niedersachsen die Fortsetzung von VW mit anderen Mitteln: Sei's drum, wer diese Büchse der Pandora öffnet trifft muß irgendwann auf die Regierung Albrecht stoßen. Und so kam es dann ja auch. Hasselmann rotiert im Grab.

Hat denn wirklich jemand geglaubt die Regierung Albrecht, in moralischen Dingen etwas lockerer, hätte sich so eine Einnahmequelle entgehen lassen? Im Ernst, hat Christian Wulff wirklich vergessen, wer seine Vorgänger waren? Albrecht, der das Land ein Jagdschloß anschaffen ließ und im Saupark Springe die letzten geschützen Mufflons abschoß? Oder sein Fianzminister Walter Leisler-Kiep, der später mit Koffern voller Bargeld in der Schweiz aufflog, oder überhaupt eine Regierung die in Celle ihre eigene Justizvollzugsanstalt in die Luft sprengen ließ, um es der RAF anzuhängen? And last not least: Birgit Breuel, die später die Treuhand und die Expo in Grund und Boden wirtschaftete.

Ich glaube, daß Walter Hirche nichts von der VW Richtlinie gewußt hat. Er hat ohnehin nie irgendwas gewußt. Aber das Birgit Breuel im Aufsichtsrat nicht informiert war, das würde mich überraschen. Das wäre ihr nicht passiert.

Jetzt stehen alle vor den Scherben ihrer moralischen Überlegenheit. Die SPD schlaff und hilflos, moralisch und politisch verkommen bis zur Unkenntlichkeit und die CDU Landesregierung, deren eigene konservative Vorgänger die politische Verantwortung für Wolfsburgs Landschaftspflege tragen. Hätte Albrecht gewollt, hätte er den MP über seine Tochter warnen lassen. Aber Ursula von der Leyen und auch Birgit Breuel schweigen beharrlich.

Wenn Wulff klug ist, schaut er von jetzt ab lieber politisch nach vorn. Er sollte aber genau aufpassen, wer nicht alles mit politischen Dolchen hinter ihm lauert. Bis her hat er Fortune gehabt, an Talent hat es ihm immer gemangelt. Im Leineschloß beginnt die Tristesse der Ebene.

Montag, Januar 17, 2005

Mosi und Mordio

RM ist tot. Erdrosselt - "and not in a good way" möchte ich hinzufügen - von einem irakischen Gelegenheitsstricher im Streit um profanes Geld: Er hatte im wahrsten sinne am falschen Ende gespart.

Fragen bleiben offen: Warum hat der Exil-Iraker nicht einfach Informationen über ein Rüstungsprogramm an den BND verkauft? Warum waren Moshammers Moden so schrecklich? Teilt er jetzt ein halbes oder ein viertel - Versace Schicksal? Und wird Daisy bei einer Beerdigung im ägyptischen Stil ausgeweidet und mit dem Herrchen ausgesetzt?

Vor allem jedoch: Ein Blick in Gayromes Escort Community verrät das die Preise auch in München nicht aus dem Rahmen fallen: 150€ pro Stunde und 350€ pro Nacht. Damit ist man dann schon gut bedient. Was also bekommt man für 2000€ und warum begibt man sich als Super Schickeria Tucke auf den Bahnhofsstrich, wenn man alles so bequem nach Hause ordern kann? 2000 Euro sind mehr als ein Hartz IV Empfänger im Jahr hinzuverdienen darf. Ich denke man kann sich ausmalen, daß es um mehr als einen Ein Euro Blowjob ging.

Hmmm. Ehrlich gesagt, will ich mir das nicht en detail vorstellen, nur halte ich den Kommentar auch in der NP, eine einsame Seele habe "köperliche Nähe" gesucht für eine doch freundliche Umschreibung für jemanden der mit Armutsprostituierten den Kick gewollt zu haben scheint. Ich würde vorschlagen, daß man die Bildüberschrift "Der perverse Mosi Mörder" in "Der Mörder des perversen Mosi" umstellt.

Was Daisy angeht, so ist sie mir egal, dem Land aber nicht. Jetzt, wo die Fultopfer endlich aus dem kollektiven Gedächtnis gespült worden sind würde mich aber einer ZDF Gala für das Tier nicht überraschen. Spenden bis der Arzt kommt ist das neue Hobby dieses verarmenden Landes. Ich nehme die ägyptische Variante zurück: Man kann Daisy einfach in ein goldenes Laufrad setzen und aus ihr ein Mode Mosi Mahnmal machen. Dann bekommt wenigstens München eine Topographie des Terrors.


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