Dienstag, November 23, 2004

Schade Oskar, alles ist vorbei, alles ist vorbei... Schallala...

Ich habe 11 Jahre meines Lebens in der SPD verbracht. Die meiste Zeit davon in innerer Opposition. Eigentlich hat es nur 2 Tage gegeben, an denen ich gerne Sozialdemokrat war. Der erste war die Nacht des 27. September 1998, der Tag der Bundestagswahl. Das erste mal war ich auf einer SPD Wahlparty und dann um 18:00 Uhr war klar: Kohl ist weg. Was habe ich mich frei gefühlt. Nun gut, ich war jung und betrunken. Und ich erinnere mich auch an nicht mehr viel sonst, außer daß irgendwann der Geyer Sturzflug Song: "Eins kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben..." kam. Damals war mir noch nicht was für ein passendes Motto dies eigentlich für die Jahre und Schröder gewesen wär. Andererseits, wirklich viel Lust ist auch nicht mehr da. Und das verflixte 7. Jahr kommt erst noch! Wird hans Eichel Schleswig wieder an die Dänen verkaufen? Wir werden sehen.

Der andere gute Tag war als Rudolf Scharping in Mannheim weggeputscht wurde. Nicht durch eine Intrige, sondern durch einen spontanen Volksaufstand. Die Sozialdemokraten haben noch nie eine Vorsitzenden abgewählt. Gestürzt schon, aber noch nie abgewählt. Sie haben mit zwei-drittel Mehrheit erst noch die Geschäftsordnung geändert und dann - zack - weg mit Rudi. Der hat das all die Jahre nie verstanden bis er im Pool unterging. Ich habe ein Rudolf Scharping Autogramm: Es ist auf dem Deckblatt einer Reclam Ausgabe von Molières "Der eingebildete Kranke". Auch dies irgendwie passend.

Als Bernd Telm, Delegierter des Unterbezirks Helmstedt und Chef der Zählkommission 1, das Ergebnis verkündete (und er war später immer sehr stolz darauf - ich denke, er wußte, mehr würde er im Leben nicht erreichen), war Oskar Lafontaine Parteivorsitzender. Oskar, der Held meiner politischen Kindheit, der denken und sprechen konnte. Als die weiße Frau ihn mit dem Messer attackierte habe ich vor dem Radio gewartet, ob er überlebt. Er hatte große Reden gehalten und er hatte Recht bei der Einheit gehabt. Man darf das nie vergessen: 1990 war die BRD reif für Lafontaine-Fischer. Dann kamen 16 Millionen Konservative hinzu. Vorbei, vergessen, fragt Horst Köhler wie es dazu kam, er war der Finanzstaatssekretär.

Oskar hat sich bis 1999 gut gehalten und ist dann aus dem Amt gemobbt worden. Er ging beleidigt ab und hinter ihm konnte die kleine Linke in der SPD, die er sich zur Zierde gehalten hatte abgeschliffen werden. Andrea Nahles wartet bis heute darauf, wieder in den Bundestag zu kommen. Sie macht jetzt die Bürgerversicherung für die SPD, weswegen man sich sicher sein kann, daß diese nicht kommt.

Sei's drum. Oskar diskutiert gerade aud N3 mit Kubicki, dem FDP Chef von Schleswig-Holstein, der eine etwas dubiose Vergangenheit im Zusammenhang mit Müllkippen in Mecklenburg hat. Es geht um den Fall Daschler.

Oskar Lafontaine hat gerade gesagt, natürlich dürfe der Staat foltern, wenn es um das Leben eines Kindes ginge, im Zweifel bis zum Tod des Beschuldigten. Das sei alles wie Notwehr. Wie bitte, Oskar? Foltern für Kinder?

Wo leben wir denn. Natürlich ist die erste Reaktion aller mitfühlenden Menschen, daß alles, aber auch wirklich alles für die Kinder getan werden muß, die entführt werden. Und das ist genau der Grund, warum alle Angehörigen und mitfühlenden Menschen im Strafrecht und der Polizei nichts zu suchen haben. Aber so tief kann man fallen. Vom Vorzeigelinken, gegen den die Wirtschaftspresse Londons mobilmachte zum Provinzpopulisten mit dem schalen Geschmack verdorbenen saarländischen Weins. Weltökonom und Folterknecht: Er hat die Globalisierung falsch gedeutet.

Oskar - bitte merk es dir - die Polizei ist nicht die SPD. Ihr sind Grenzen des Blödsinns gesetzt.

Gute Nacht.


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