Montag, November 22, 2004

Gut, daß wir nicht in Bayern sind

München hat gewählt: Mit 50,9 Prozent der Stimmen haben sich die Bürgerinnen und Bürger der bayrischen Landehauptstadt dafür entschieden, daß kein neues Haus höher als 100m sein darf und somit die Frauenkirche nicht überragen darf. Damit verpaßten sie nicht nur allen im Rat vertretenen Parteien, sondern auch den potentiellen Bauherren, vor allem der Süddeutschen Zeitung, eine schallende Ohrfeige.

Dies ist ein Grund zu ungeteilter Freude: Zum einen hat es die Süddeutsche mal so richtig verdient. Nach der Einstellung der Jetzt-Jugendbeilage, dem Niedergang des SZ-Magazins zu einem mittelmäßigen Modejournal und der Aufblähung des Golf-Beilage, wäre die Errichtung eines Hochhause für diese Zeitung ein Hohn gewesen. Wenn, dann gehört diese Zeitung in eine Tiefgarage. Ich habe meinen Beitrag zum Konkurs meiner ehemaligen Lieblingszeitung geleistet: Ich habe heute endgültig mein ABO gekündigt, "adding injury to insult".

Zum anderen frage ich mich, ob wir nicht auch in Hannover ein paar Referenden gebrauchen könnten. Hier meine Vorschläge:

1. Kein Wohn- und Einkaufskomplex darf eine weniger großen Betonanteil haben als das Ihmezentrum.

2. Kein Hotel darf eine offenere Fassade haben als der Maritim-Bunker.

3. Keine unterirdische Passage darf breiter sein als die Passarelle.

4. Für die Architekten des Kröpke Centers wird die Todesstrafe wiedereingeführt. Im Zweifel auch posthum.

Noch ein Tip für alle Retro-Freunde. Mein neues Lieblings Café ist der Tschibo Laden am Raschplatz. Unten in der engen Passage die vom Hauptbahnhof Richtung Zaza führt. Gleich neben dem Antiquariat und dem Gothik-Modeladen: Es ist ein Tempel der 80ger!

Echte Stoffteppichtapeten und mit der Ladentheke ein Gesamtkunstwerk, wie man sich eine Kaffeeladen in einer Untergrundpassage vorstellt. Das Verwöhnaroma in Holz und Plastik. Keine Spur von Latte Macchiato, oder Milchkaffee: Da trinken die Untoten nachts noch Mokka.

Also hingehen, Streuselkuchen essen und von der Kindheit in Zeiten der Kohl-Ära träumen. Damals, als es Kaffee noch Kaffee, und Opel noch einen Rekord hatte und man Menschen noch daran unterscheiden konnte, ob sie für Michael Stich oder Boris Becker waren.

Eine schöne Woche!


Contador Web